Die Eigendynamik und der Einfluss des Drehimpules

Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet Wurftechnik mit Tobias Hinzmann, einem Schüler aus der nächsten Generation, war und ist heute noch äusserst fruchtbar. Nicht nur, weil Tobias sicher wurftechnisch zu den Cracks der Szene gehört, sondern vor allem auch, weil wer, als studierter Bauingenieur gewisse technische Abläufe präziser formulieren kann. Das hat sich besonders bei den Dreharbeiten zum Film „Perfektes Fliegenwerfen“, also besonders wichtig herausgestellt. Es ist der massgebende Film der Fliegenwurf-Szene, übrigens in Deutsch und in Englisch auf dem Markt.

Als professioneller Fliegenwerfer, übrigens seit 50 Jahren, spürt man logisch beim Ablauf eines Fliegenwurfes, was da so abläuft. Allein, was und wie es zu formulieren ist, ist nicht so einfach. Das erlebte ich zum ersten Mal anfangs der 90erJahre des letzten Jahrhunderts, als ich das Buch „Faszination Fliegenfischen“ schrieb und auch beim Drehen des 9. und vorletzten Schulfilmes „Faszination Fliegenwerfen“.

Dieser Schulfilm wäre nicht perfekt geworden ohne eben halt die perfekten Formulierungen in Sachen technischer Ablauf aller gezeigten Fliegenwürfe.

Wie Tobias in seinem neuesten Aufsatz schreibt; die Eigendynamik hat mich seit vielen Jahren fasziniert, weil sie meines Erachtens der zentrale Punkt des kraftminimierten Fliegenwerfens ist. Sie könnte aber, beim Fliegenwerfen nicht funktionieren, ohne, dass das Gerät, sprich die Fliegenrute, einen Beitrag zum mehr oder weniger guten Gelingen eines Fliegenwurfes beiträgt. Ich habe das vor allem auch in meinem „Compendium 2“ mit dem Artikel „Die Biegung der Fliegenrute“ zum Ausdruck gebracht.

Tobias Hinzmann hat mit seinem Werk „Experimentelle Untersuchungen  zur Biegung der Fliegenrute“ die These ausführlich und unwiderlegbar bewiesen.

Liebe Leser dieser Webseite, studieren Sie die Zeilen der Gastkolumne genau. Lesen Sie auch das Werk von Tobias über die experimentellen Untersuchungen von ihm und vor allem: Sehen Sie sich den Schulfilm „Perfektes Fliegenwerfen“, wieder und wieder an; darin sind alle wichtigen Grundlagen für einen perfekten Fliegenwurf leicht verständlich dargestellt.

H.R. Hebeisen

Die Eigendynamik und der Einfluss des Drehimpules

Gastbeitrag von Tobias Hinzmann

Als Hans- Ruedi Hebeisen mit mir zusammen im Jahre 2009 den Lehrfilm „Perfektes Fliegenwerfen“ drehte, wollte er unbedingt ein Kapitel aufnehmen, welches er „Eigendynamik“ nannte. Er war davon überzeugt, dass dies ein neues Element des Fliegenwurfes war, von dem bisher nichts geschrieben stand.

Die Szenen zum Kapitel „Eigendynamik“ waren relativ schnell abgedreht – die Beschreibung dieses Kapitels hingegen dauerte umso länger. Es stellte sich als grosse Herausforderung heraus, die Wirkungsweise der „Eigendynamik“ verständlich zu beschreiben.  Ich weiss noch, wie ich mir eine Nacht um die Ohren schlug, um einen Text zu finden und mit Hans- Ruedi abzustimmen, der uns am besten gefiel.

Wird der Begriff „Eigendynamik“  in seine beiden Wörter „Eigen“ und „Dynamik“ zerlegt, zeigt sich eine gute und genauere Umschreibung: „Eigen“ steht dafür, dass unsere Fliegenruten etwas von sich aus zum Wurf beitragen können. Und „Dynamik“ steht dafür, dass dieser Beitrag der Fliegenruten aus ihrer Bewegung heraus entsteht.

Anstelle von Eigendynamik kann auch formuliert werden, dass „die Fliegenrute einen Beitrag zum Wurf leisten kann, wenn sie richtig in Bewegung versetzt wird“.

Seit meiner Arbeit „Experimentelle Untersuchungen zur Biegung der Fliegenrute“ ist auch klar geworden, dass der im Kapitel F1 dargestellte Einfluss des Drehimpulses als Energieerhaltungsgrösse die physikalische Umschreibung der Eigendynamik ist. Die vom Werfer in den Griff eingetragene Rotationsenergie wird deutlich besser in die Spitze übertragen („Beitrag der Fliegenrute“), wenn der Drehimpuls als kinetische Energie („Bewegung“) über den Verlauf der Biegung umverteilt wird. Dies führt zu einer deutlichen Steigerung der Effizienz,  also dem Verhältnis aus der Geschwindigkeit der Rutenspitze und Arbeit des Werfers (Verhältnis der genutzten zur aufgewendeten Energie „output / input“).

Hans- Ruedi hat schon immer die Meinung vertreten, dass die Fliegenrute einen Beitrag zum Fliegenwurf leisten kann. „Arbeite nicht selbst, sondern lasse die Fliegenrute arbeiten“ ist einmal mehr auch in den Lehrfilm „Perfektes Fliegenwerfen“ eingeflossen. Natürlich kann die Fliegenrute dem Werfer nicht alle Arbeit abnehmen - doch wird sie richtig eingesetzt, sprich richtig gebogen, dann kann sie dem  Werfer Arbeit ersparen, die er bei einer unbiegsamen oder „schlecht“ gebogenen Fliegenrute zusätzlich aufbringen müsste.  Im Sinne einer besseren Energieübertragung kann die flexible Fliegenrute arbeiten. Dies wird u.a. in Kapitel F1 meiner Arbeit belegt.

Mit der Eigendynamik wurde bereits 2009 formuliert, was ich in meiner Arbeit seit Mitte 2014 physikalisch beschrieben habe. Insbesondere mit dem Kapitel zur Eigendynamik war der Film „Perfektes Fliegenwerfen“ seiner Zeit voraus.

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HRH's Besuch an der EWF

H.R. Hebeisen besuchte, wie jedes Jahr, die EWF in Fürstenfeldbruck. Diesmal speziell um auch die Freunde von der EFFA zu treffen.

Drei ehemalige Casting Weltmeister, Ronald Pasch (links) HRH und Walter Kummerow trafen sich am Stroft Stand.

Ralf Vosseler erzählt HRH von Details der neuen Vosseler Spinnrolle, welche demnächst auf dem Markt erscheint.

Trond Syrstadt demonstrierte den Wurfstil, welcher laut seiner Interpretation an der Demonstration auf der Basis des „Kiss and go“ beruht.

Der schönste Stand an der ganzen Messe hatte Stuart Hardy, welchem es vor einigen Jahren gelang, an einer Versteigerung in London die berühmte Kelson Collection zu kaufen. Auch seine selbstgebundenen Lachs- und Fantasiefliegen sind einfach ein Traum.

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